niemand zündet in kalten räumen kerzen an, um sich zu wärmen. sie waren schon immer nur ein symbol für jene art von wärme, die wir nicht auf unserer haut spüren können. sie sind nicht notwendig, und doch schenken sie mir eine ruhe, die ich anderswo nicht zu finden weiß.
ähnlich ist es mit den briefen, die ich dir schreibe. sie sind niemals nötig, damit du um meine zuneigung weißt, aber sie sind das gefäß, in dem all die überzähligen worte landen, wenn die liebe, die ich für dich in der stille empfinde, mir durch die hände rutscht.
du bist der beständigste begleiter meiner immer wiederkehrenden gedanken. du hast meine verteidigungen unterwandert und dir irgendwo zwischen der linken und rechten seite meiner rippen ein zuhause gebaut. deine gegenwart überwältigt mich, und doch wird der gedanke an dich in mir nie müde. er kehrt zu mir zurück wie eine flut. er spült mich rein. es fühlt sich an, als sei ein teil der schwere von meiner brust genommen worden, und ich weiß, ohne logik, dass es daran liegt, dass ich dich habe, als einen ort, zu dem ich heimkehren kann.
liebe, so wie ich sie verstand, war das gefühl all dessen, was die welt an gutem bereithält, während man zugleich am rand von etwas sehr hohem steht. etwas so fragiles und zugleich so großes musste immer auch das risiko bergen, auszurutschen und in unvorstellbare tiefen zu fallen. und doch werde ich nun von einer anderen art von gefühl gehalten, von einem, das mich so weit wie möglich von wachsamkeit entfernt, von einem, das meine brust erfüllt, ohne mir die lungen zusammenzuziehen.
ich bin immer wieder getroffen von allem, was du bist. du machst mich ruhig, du machst mich bedeutsam. du löst mich auf, und du bedeckst mich. du hast eine art zu sprechen, die die temperatur meines körpers verändert, und du sprichst die dinge, die ich einst für zerbrechlich hielt, mit einer solchen gewissheit aus, dass ich mich beinahe wieder meiner selbst sicher fühle. sicher, dass ich existiere. dass ich hier bin. dass ich nicht etwas bin, das ständig hinterfragt werden muss.
es ist schwer, es zu beschreiben, ohne es zu verderben. und darüber muss ich gestehen, mit roten wangen,
wenn du mich weiterhin so oft schön nennst, mit dieser wahnsinnigen leichtigkeit, mit dieser stillen beharrlichkeit, dann glaube ich, dass es dir gelingen könnte, mich neu zu schreiben. ich glaube, ich werde beginnen, dir ohne widerspruch zu glauben. eines tages werde ich mich dabei ertappen, deine worte zu tragen, als wären sie meine eigene haut, und ich werde mich nicht mehr an den tag erinnern, an dem du mich verändert hast.
ich liebe dich mit einer beängstigenden hingabe. sie erschreckt mich, weil sie so ungeschützt ist, so frei von berechnung, so uninteressiert daran, klug zu sein. ich liebe dich auf eine weise, die mir meinen stolz genommen hat und mich sanfter sein lassen will mit allem, auch mit mir selbst. dafür gibt es keine erklärung und keine größeren worte. aber ich lebe sie jeden tag, in der art, wie ich mir im morgengrauen die zähne putze, ebenso wie darin, wie ich mir bei einbruch der nacht die haare zusammenbinde. ich kann nicht anders, als dich zu lieben. es ist eines der einfachsten dinge, die ich je getan habe.
wenn ich dir nur all das geben könnte, was du mir gegeben hast, dann wäre es das fernste von einem gegenstand. vielleicht ein zuhause, das du in dir tragen kannst. ein ort, an dem du schutz und wärme findest, ein ort zum ausruhen, ein ort, an dem du klein sein darfst.
ich kann keine vollkommenheit versprechen, aber ich kann versprechen, mich für dich zu entscheiden, selbst wenn ich müde bin, selbst wenn die welt scharf ist, selbst wenn mir alle worte fehlen, um zu sagen, was ich fühle.
liebe ist auch immer eine entscheidung
danke, dass du mich gefunden hast. danke, dass du geblieben bist.
danke, dass du auf diese stille, wundersame weise mein bist, die sich noch immer nicht wirklich anfühlt, wenn ich sie laut ausspreche.